Städtefreundschaft braucht Hilfe von Vereinen

Städtefreundschaft braucht Hilfe von Vereinen

Mit einer Heimatgruppe und sieben Kommunen ist Solingen verbunden. Nur vier Komitees pflegen Kontakt.

Von Jennifer Preuß

Eine Partnerschaft lebt von Interaktion. Das ist bei Liebenden so, darauf setzen Geschäftspartner und ohne das Miteinander würden Freunde auseinandergehen. Auch Städtepartnerschaften müssen lebendig gehalten werden. Mit sieben Städten ist Solingen durch Partnerschaften verbunden. Zudem gibt es eine Patenschaft. Alle Fäden laufen im Rathaus zusammen. Hier koordiniert Sofia Thives-Kurenbach im Büro des Oberbürgermeisters die Aktivitäten und vermittelt auf Wunsch Ansprechpartner. Nicht für jede Partnerstadt, so beklagt sie, gebe es einen Freundeskreis oder einen Förderverein, der die Kontakte auf bürgerschaftlicher Ebene wach hält.

Chalon-sur Saône, Frankreich

Dies trifft beispielsweise auf die Partnerschaft zu Chalon-sur-Saône zu. Einen Verein, der sich nur um die deutsch-französischen Beziehungen kümmert, gibt es nicht. Der Verein „L’Amicale“, in dem sich Freunde der französischen Sprache treffen, hatte den Versuch gestartet, eine Bürgerreise zu organisieren. Sie kam mangels Teilnehmer nicht zustande. Sofia Thives-Kurenbach hat auf Verwaltungsebene andere Erfahrungen gemacht. „Ein französisches Komitee hat uns mehrfach besucht“, sagt sie. Bürgermeister Gilles Platret war 2015 auf Antrittsbesuch in Solingen. Thives-Kurenbach verweist auf Schulaustausche, die das Friedrich-List-Berufskolleg, das August-Dicke-Gymnasium und das Gymnasium Schwertstraße pflegen würden. Auch auf sportlicher Ebene finde man zusammen. Chalon trägt in diesem Jahr den Titel Sportstadt. Vor allem im Basketball sind die Burgunder stark.


Aue, Kreisstadt in Sachsen

Eine Städtepartnerschaft muss nicht immer international sein. Das zeigt die Verbindung zur Kreisstadt Aue in Sachsen. Seit 1990 besteht die Freundschaft der beiden deutschen Städte. Sie ist lebendig – leider auch hier ohne bürgerschaftliches Engagement auf Solinger Seite. Engagierte des Erzgebirgsvereins haben sich aus Altersgründen zurückgezogen. Einen Ersatz gibt es bislang nicht. Bei konkreten Projekten vermittelt die Stadt.

Goldberg, heutiges Polen

An Überalterung leiden auch die Aktivitäten rund um Goldberg. 1955 übernahm die Stadt die Patenschaft über die ehemaligen deutschen Bewohner des Kreises Goldberg in Schlesien, heute Polen. Alle zwei Jahre findet in Solingen das Goldberger Heimattreffen statt, dass sie an Vertriebene aus Schlesien richtet. „Ich weiß nicht, wie lange die Patenschaft noch möglich ist“, so Thives-Kurenbach.

Gouda, Niederlande

Die Freundschaft zwischen Gouda und Solingen besteht auf Ebene von Schulen und Vereinen. Auch hier gibt es außer der Stadt keinen Ansprechpartner, der vermittelt. Dabei hat die Partnerschaft eine lange Tradition. Sie besteht seit 1957 und war die erste, die Solingen einging. In den Rathäusern wird sie gelebt. Die Stadträte tauschen sich über Themen wie Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und Wirtschaft aus.

Thiès, Senegal

Neu in der Riege der Partnerstädte wurde Thiès, Senegal, aufgenommen. Der 1988 gegründete Förderverein „Freundschaft mit Thiès“ betreut seit Jahren Projekte, durch die zum Beispiel die Trinkwasserversorgung verbessert wird. Thives-Kurenbach spricht hier von Entwicklungspartnerschaften. „Es ist eine moderne Form der Städtepartnerschaft“, sagt sie. Interessant ist Thiès vor allem für junge Erwachsene. Der Förderverein eröffnet Freiwilligen die Möglichkeit, Bundesfreiwilligendienst im Senegal zu absolvieren.

Förderverein Freundschaft mit Thiès, Otmar Schick, Tel. 2 33 12 60

Jinotega, Nicaragua

Ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zu Jinotega. Freundschaftlich war Solingen der Stadt in Nicaragua schon lange verbunden. Treibende Kraft war und ist Hans Wietert-Wehkamp vom Förderverein Städtefreundschaft mit Jinotega. Solinger Jugendliche sammeln bei Arbeitseinsätzen in Jinotega prägende Erfahrungen.

Förderverein Städtefreundschaft mit Jinotega, Tel. 2 30 78 39

Blyth, Großbritannien

Neuer Schwung ist in die Beziehung zu Blyth gekommen. Ein Förderverein hat sich gegründet, der im Frühjahr eine Bürgerreise organisieren will. „Wir versuchen auch, einen Austausch zwischen den Schulen aufzubauen“, berichtet Bernd Clemens von den Bemühungen, die Komitees, die sowohl auf deutscher als auch auf englischer Seite sehr aktiv sind, zu verjüngen. Initiativen könne man auch von weiteren Vereinen gebrauchen.

Förderverein, Bernd Clemens, Tel. 61967

Ness Ziona, Israel

Alle zwei Jahre macht sich der Freundeskreis Solingen-Ness Ziona auf die Reise nach Israel. In 2017, zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft, soll es wieder so weit sein, berichtet Bernd Krebs. Der Termin wird im Herbst bekanntgebeben. Die Israel-Kontakte haben zu weiteren Kooperationen geführt. Mit dem oberbergischen Wiehl steht der Verein in Kontakt, um neue Ideen für die Reisegestaltung zu bekommen. Auf der Agenda steht auch, im kommenden Jahr einen Modernhebräisch-Kurs für Anfänger in der VHS anzubieten.

Freundeskreis Solingen-Ness Ziona, Bernd Krebs, Tel. 4 12 22


INTERNATIONAL

ANSPRECHPARTNER Die Stadt Solingen leistet Unterstützung mit Rat und Tat, wenn Vereine, Schulen, Jugendeinrichtungen, Kirchen und engagierte Einzelpersonen Kontakt zu den Partnerstädten aufnehmen möchten. So werden Bürger- und Schülerreisen bezuschusst. Ansprechpartnerin ist Sofia Thives-Kurenbach. Sie ist im Solinger Rathaus unter Tel. 290 34 09 und per E-Mail an s.thives-kurenbach@solingen.de erreichbar.

Quelle Solinger Tageblatt

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