In Blyth weht frischer Wind

Blyth wandelte sich vom Industriezentrum zu einem Ort mit modernen Ideen.
Blyth ist ein kleiner unscheinbarer Ort in Nordengland, der drei Mal näher an den schottischen Highlands liegt als an London. Ein früheres Industriezentrum mit Schiffswerften und Kohleabbau, das bereits in den 60er Jahren das gleiche Schicksal ereilte wie das Ruhrgebiet Jahrzehnte später. Doch es gibt auch das andere Blyth, jenes Städtchen, das den alten Pier komplett umgestaltet, ein modernes Einkaufszentrum in der Innenstadt angesiedelt hat und vom rauen Klima mit modernen Ideen profitiert – durch eine gigantische Offshore-Windkraftanlage in der Nordsee.

Blyth-Historie

Die Städtepartnerschaft mit Blyth besteht seit 1962. Bereits 1951 begann der Schüleraustausch. Ursprüngliches Ziel waren die Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Förderung des europäischen Einigungsprozesses. Seit 1997 finden regelmäßig Bürgerreisen statt. Politik Als traditionelle Arbeiterstadt wählt die Mehrheit in Blyth von jeher links. Im aktuellen Stadtrat dominieren die linksliberalen Liberal Democrats. Im Parlament vertritt der Labour-Abgeordnete Ronnie Campbell den Wahlkreis. Solingens Partnerstädte
Während in Solingen über den Bau eines einzigen Windkraftrades diskutiert wird, treibt die englische Partnerstadt den Ausbau innovativer Energien mit Hochdruck voran. Die neueste Idee wird schon jetzt von der Lokalpresse als Pionierleistung bejubelt: Ein neues Kraftwerk soll völlig emissionsfrei Energie produzieren, indem es Kohle zu einem Gas umwandelt, ohne sie zu verbrennen.
„Damit würde Kohle vom schmutzigsten zum saubersten fossilen Brennstoff“, schreibt die Regionalzeitung „News Post Leader“. Stadträte reiben sich auf ihren Internetseiten schon die Hände, weil hunderte von Jobs geschaffen werden könnten.
Fernab von Politik und Energiegewinnung gibt es einen Solinger, der Blyth schon seit fast 50 Jahren regelmäßig besucht. Jürgen Gerhards (64), Vorsitzender des Bergischen Männerchors Solingen 1801, erlebte in den 60er Jahren zum ersten Mal den Besuch des englischen Partnerchores. „Ich habe meinen Vater gefragt, ob ich beim Gegenbesuch auch nach England darf“, erinnert er sich. Die Antwort: „Klar, aber nur wenn du singst.“
So wuchs Gerhards nicht nur in die Städtepartnerschaft hinein, sondern auch ins Vereinsleben, das er bis heute pflegt. Inzwischen haben er und seine Frau so viele Freunde und Bekannte in Blyth, dass sie fast jedes Jahr dorthin fahren. Auch bei der viertägigen Bürgerreise der Stadt Solingen im Mai war das Ehepaar dabei. „Nur so kann man das gegenseitige Miteinander im vereinigten Europa wirklich fördern.“
Was auf privater und Vereinsebene gut funktioniert, droht gerade bei der jungen Generation aber wegzubrechen. „Mit Blyth gibt es momentan keinen Schüleraustausch“, klagt Wolfgang Görke, der bei der Stadtverwaltung für die Partnerschaften zuständig ist. „So etwas steht und fällt mit den Lehrern vor Ort. Außerdem sind die englischen Schüler momentan gar nicht daran interessiert, Deutsch zu lernen.“

Quelle: prz/ Solinger Tageblatt

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