Bergische Unternehmer sehen Brexit gelassen

Durch das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union befürchten die bergischen Unternehmer keine kurzfristigen Folgen. Diese Erkenntnis brachte eine Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Mittelfristig – wenn der Brexit vollzogen ist – werden aber Handelshemmnisse befürchtet. Arbeitsplätze im Bergischen Land sehen die Unternehmer nicht in Gefahr.
Nachdem bei einer Volksabstimmung in Großbritannien eine knappe Mehrheit für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt hatte, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag eine deutschlandweite Befragung gestartet. Gefragt war die Einschätzung von Betrieben, die im Auslandsgeschäft aktiv sind. Die Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (IHK) hat die Werte für das bergische Städtedreieck untersucht.

Die Abwertung des britischen Pfundes birgt Risiken
Demnach gehen sämtliche bergische Unternehmer, die sich an der Umfrage beteiligt haben, davon aus, dass sie durch den britischen Ausstieg an den heimischen Standorten weder Arbeitsplätze streichen müssen noch zusätzlich schaffen werden. Dies gilt sowohl für die Phase der Verhandlungen zwischen der EU und der britischen Regierung als auch mittelfristig für die Zeit nach dem vollzogenen Brexit.
Allerdings befürchten 61 Prozent der bergischen Unternehmer eine zunehmende Bürokratisierung und einen wachsenden Aufwand für Dokumente, die für den Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien benötigt werden. Mehr als die Hälfte der Unternehmer (58 Prozent) erwartet, dass sich künftig neue Steuern und Zölle negativ auf das Auslandsgeschäft auswirken können. Ebenfalls gehen jeweils etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Unternehmer davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in Großbritannien verlangsamt und dass Risiken durch eine Pfund-Abwertung drohen.
Etwa die Hälfte der Firmenchefs (53 Prozent) geht davon aus, dass ihre Exporte ins Vereinigte Königreich nach dem Austritt zurückgehen werden. Der Rest gab an, dass die Zahlen in diesem Bereich wohl gleich bleiben werden. Ähnlich sehen die Prognosen der Unternehmer bei den Waren-Einfuhren von der britischen Insel aus.
An der Investitionstätigkeit wird sich wohl nichts ändern
Auf die Ausgabenpolitik der Unternehmen in Deutschland dürfte sich der Brexit nicht auswirken. In 98 Prozent der Firmen gilt es als sicher, dass die sich bei der Investitionstätigkeit nicht ändern wird. Zwei Prozent rechnen mit höheren Ausgaben. Unterschiede gibt es zwischen den Prognosen für die deutschen und die britischen Standorte. Für Niederlassungen und Tochterbetriebe in Großbritannien rechnet immerhin jeder zehnte Betrieb damit, dass Jobs abgebaut werden müssen. 88 Prozent der Firmen gehen von gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen aus. Zwei Prozent rechnen mit wachsenden Mitarbeiterzahlen an britischen Standorten.
In fast jedem fünften Betrieb (19 Prozent) rechnet man damit, dass an britischen Standorten künftig weniger als bisher investiert wird. Acht Prozent der Firmen gehen von steigenden Ausgaben, die große Mehrheit (73 Prozent) geht von unveränderten Ausgaben in diesem Bereich aus.

Langfristig ist es aber eine weitergehende Sorge, die die bergischen Unternehmer beschäftigt. Jeder zweite Unternehmer weist nach IHK-Angaben auf einen möglichen „Spill-Over-Effekt“ hin. Das heißt, die Firmenchefs befürchten, dass das britische Beispiel auch Austrittsbestrebungen in anderen Ländern beflügelt. Dies würde für weitere und größere wirtschaftliche, politische und rechtliche Unsicherheiten sorgen.
Quelle: Andrea/ Solinger Tageblatt

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