Brexit kann der Freundschaft nichts anhaben

 

Bernd Clemens (rechts) und der neue Bürgermeister John Potts mit dem Präsent für das Solinger Rathaus

© Jennifer Preuß

  Delegation besuchte Solingens Partnerstadt Blyth. Im Mittelpunkt vieler Gespräche stand Englands nahender Abschied aus der EU.

Von Jennifer Preuß (Text und Fotos)

 

 

Froher Dinge waren sie auf beiden Seiten. Herzlich empfingen die Stadtverwaltung Blyth und der dortige Städtepartnerschaftsverein die Solinger Delegation, die mit 29 Mann angereist war. Freundschaften hatten sich im Laufe der Jahre schon längst geknüpft. Die Städtepartnerschaft besteht bereits seit 55 Jahren, wie die offiziellen Dokumente von einst, die mit scharfen Präsenten aus der Klingenstadt in der Vitrine des Rathauses aufbewahrt werden, bezeugen. In dieser Kulisse tauschten sich Solinger und Blyther bei Kaffee und Kuchen aus, wie es dem anderen in der Zwischenzeit denn ergangen ist.

Doch die Tischgespräche wandten sich schnell auch der Zukunft zu, die äußerst ungewiss ist. Es ist eine Frage, die das gesamte Wochenende über im Hintergrund mitreiste. Wie wird sich die Städtepartnerschaft zu Blyth entwickeln, wenn Großbritannien aus der Europäischen Union ausgetreten ist? Sehr oft wurde John Potts diese Frage gestellt. Der neue Bürgermeister bemühte sich um eine optimistische Antwort.

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Erst in der Vorwoche war er vom Stadtrat in das Amt gewählt worden. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, die Deutschen im Verwaltungsgebäude in Empfang zu nehmen. Und schon bekam der Bürgermeister der rund 37 000-Einwohner-Stadt es mit der internationalen Politik zu tun. „Viele Menschen realisieren jetzt erst, wofür sie denn eigentlich abgestimmt haben. Es kommt so viel auf uns und die Gesetzgebung zu, was wir nicht abschätzen können“, sagte der Bürgermeister (Labour-Partei). „Niemand hat den Brexit richtig durchdacht.“

Auch für den Solinger Förderverein, der sich mit viel Herzblut für den deutsch-englischen Austausch engagiert, werden die kommenden Reisen – voraussichtlich geht es in zwei Jahren wieder auf die britische Insel – schwieriger zu organisieren sein.

AUSBAU 

SCHULEN Vorerst wird es keinen Austausch mit einer Schule aus Blyth geben. Achmed Gümüser, Englischlehrer am Gymnasium Vogelsang, versuchte vor Ort, Kontakte zu knüpfen. Die Resonanz fiel bescheiden aus. Wie der Lehrer berichtet, ist das Interesse der Schulleitungen an einem Austausch mit Solingen gering. „Ein Schüleraustausch bedeutet einfach zu viel Aufwand“, sagt Gümüser bedauernd.

Am Wochenende demonstrierte der neue Verwaltungschef Blyths, wie wichtig ihm die Städtepartnerschaft zu Solingen ist. Er und seine Ehefrau Olga begleiteten die Solinger Delegation auf ihren Ausflügen ins Fischerdorf Amble, zur römischen Ausgrabungsstätte in Corbridge und in das imposante Bamburgh Castle aus der Zeit der Normannen. Eine Freundschaft will gepflegt werden. Bernd Clemens, Vorsitzender des Fördervereins, behielt den Blick auf die Gegenwart und bedankte sich gleich zu Beginn für den außerordentlich warmen und herzlichen Empfang. So wolle man die englische Reisegruppe nächste Jahr auch in Solingen begrüßen. John Potts wird wahrscheinlich bereits früher in der Klingenstadt zu Gast sein. Clemens überreichte ihm im Auftrag von Oberbürgermeister Tim Kurzbach beim Civic Dinner eine Einladung zur Lichternacht im September. Bei einem Essen im Restaurant Steinhaus, so steht es in dem Schreiben, soll es darum gehen, die Kontakte zu festigen. Dieser Brief ging auch in die anderen Partnerstädte Solingens. Er müsse erst seinen Chef fragen, sagte John Potts und schaute seine Ehefrau an. Sie nickte. Es sehe gut aus, übersetze der Bürgermeister die Gestik.

Anne Dawson möchte die Müngstener Brücke besuchen

Jan-Claudius Salewski (BFS) als einziger Vertreter des Stadtrats, der an Bord war, richtete einige Worte an die versammelten Gäste in der Mansonic Hall, die bei einem Drei-Gänge-Menü die englische Version des Festessens kennenlernten. „Ich denke nicht, dass es mein letzter Besuch in Blyth sein wird“, zeigte sich der Solinger optimistisch. „Der Brexit wird keinen Einfluss auf unsere Freundschaft haben.“ Man profitiere in vielerlei Hinsicht von dem Austausch. „Das kann der Brexit nicht zerstören.“

Anne Dawson, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Brian das Programm des Wochenendes auf die Beine gestellt hatte, ließ sich von dem EU-Austritt Großbritanniens jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Sie quittierte die Sorgen der anderen mit einem Lachen. „Ich genieße es einfach, neue Freundschaften zu knüpfen“, sagte die Engländerin, die bereits seit etwa acht Jahren im Städtepartnerschaftsverein auf englischer Seite engagiert ist. Über den Schwimmverein in Blyth reiste sie schon mehrfach nach Solingen und freut sich bereits auf den Besuch im kommenden Jahr. Auf ihrer Wunschliste steht der Besuch der Müngstener Brücke. „Solingen ist sehr grün, das liebe ich. Und die Menschen sind wunderbar.“

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